Frau Holle lebt
Aktualisiert: 10. Sept.

Stolz und ausdrucksvoll steht sie am Ufer ihres Teichs und vermittelt ihren Besuchern den Eindruck, daß sie etwas vor hat und im Aufbruch ist. So gar nicht entspricht sie der Figur einer weisen alten Frau aus dem Märchen, das ihren Namen trägt. Ihr Schöpfer Viktor Donhauser, der sie 2004 im Auftrag des Geo-Naturparks Frau Holle Land gestaltet hat, gab ihr den Charakter einer Frau auf der Höhe ihrer Kraft, von der etwas Majestätisches ausgeht, einer GÖTTIN, die alles ist, die Natur in all ihren Erscheinungsformen.
So wurde sie auch von Jacob Grimm, einem der ersten Germanisten, in seinem Werk „Deutsche Mythologie“ (Bd 1-3, 4. Aufl., Berlin, 1875-1878) gesehen und beschrieben: Hulda oder Holda alias Holle und Herke ist laut Grimm eine universell „zuständige“ Göttin des Himmels und der Erde (die oftmals fälschlicherweise mit Frigg/Frigga, der Gemahlin des Asengottes Odin, gleichgesetzt wird).
Sie ist niemandes Ehefrau, was auf ihren Ursprung in vor-germanischer Zeit hindeutet, als die Große Göttin der Frühzeit überall in Europa und weit darüber hinaus als Leben-Tod-Leben-Göttin und Verkörperung der Natur verehrt wurde.
Selbst im Märchen ist Frau Holle Herrscherin über die gute Ernte auf der Erde, die Kräfte des Himmels und die zum Leben notwendigen Arbeiten wie Spinnen und Brot backen.
Sie ist die Herrin über Leben und Tod, hütet die Seelchen in ihrem Teich und geleitet sie in ein neues Leben.
Dieser Blick auf Frau Holle setzt sich in der Wahrnehmung der Menschen, die sie auf ihrem „Hausberg“, dem Meissner (früher: Weissner), besuchen, immer mehr durch.
Frau Holle werden Gaben gebracht (bereits seit Jahrhunderten, wie Münz-Funde aus der Zeit der römischen Kaiser zeigen), und viele kommen an ihre Kraft-Orte, um mit ihr Zwiesprache zu halten.
Die Zeit ist reif für eine Rückbesinnung auf diese immer noch als „Altes Wissen“ im kollektiven Gedächtnis der Menschen vorhandene Erinnerung an eine Welt, in der alles mit allem verbunden war, was zu einem empathischen Umgang miteinander führte.
Gastbeitrag von
Annette Rath-Beckmann
Arbeits- und Forschungskreis zur Mythologie der Göttin Holle



