Tinka am Men-an-Tol
- Markus Voigt
- 18. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Manche Orte sucht man sich nicht aus. Man findet sie – oder sie finden einen. So war es diesen Sommer, als Tinka und ich uns in Cornwall auf den Weg zum Men-an-Tol gemacht haben, hinaus auf das offene Moor von Penwith, dorthin, wo zwischen Morvah und Madron ein unscheinbarer Schotterparkplatz an einem Steinwall endet und ein schmaler Pfad ins Heidekraut führt.
Knapp einen Kilometer später steht er da: der Men-an-Tol. Zwei aufrechte Granitblöcke, dazwischen der Lochstein – rund, mit einer Öffnung in der Mitte, groß genug, um hindurchzukriechen. Dreitausend Jahre alt. Niemand weiß genau, wer ihn aufgestellt hat oder warum. Man weiß nur, dass Menschen seit Jahrtausenden hierherkommen, um durch das Loch zu steigen – für Heilung, für Glück, für einen Blick in eine andere Zeit.Ich kannte diesen Ort schon, bevor Tinka und ich diesen Sommer dort standen. Ein erster Besuch, vor der Arbeit an Die Zeitenwandlerin, hatte mir das Bild geliefert, das später zum Cover und Schauplatz von Buch II wurde – zwei aufrechte Granitblöcke, der Lochstein dazwischen, der weite graue Himmel darüber. Diesmal war es ein Wiedersehen. Und wie bei einem guten Wiedersehen war der erste Gedanke: Er ist noch beeindruckender, als ich ihn in Erinnerung hatte.Das ist kein Zufall, sondern Prinzip. Wie schon Band I gilt auch für Die Zeitenwandlerin: Jeder Schauplatz existiert wirklich und lässt sich besuchen. Kein Ort ist am Schreibtisch erfunden – jeder ist recherchiert, viele davon selbst begangen, fotografiert, erwandert. Wer die Bücher liest, kann ihnen mit der Landkarte in der Hand folgen. Der Men-an-Tol ist dabei mehr als nur eine Station unter vielen, er ist ein besonderer Ort für Band II.
Tinka hat das anders gesehen. Für sie war es zunächst einfach ein sehr guter Ort zum Schnüffeln. Aber dann, direkt vor dem Lochstein, ist sie stehengeblieben, den Kopf leicht schräg gelegt, wie sie es tut, wenn ihr etwas auffällt, das sie nicht einordnen kann. Kurz danach ist das Foto entstanden, das diesen Beitrag begleitet – Tinka vor dem Stein, unter demselben grauen Himmel, der auch das Cover trägt. Es war einer dieser Momente, in denen sich Fiktion und Wirklichkeit für einen Augenblick berühren. Ich habe über diesen Ort geschrieben, ohne genau zu wissen, wie sehr er sich anfühlen würde, als hätte er auf jemanden gewartet. Das Penwith-Moor hat etwas Endgültiges in seiner Leere – kaum ein Wanderer, kaum ein Laut außer dem Wind, der hier weht, seit es Menschen überhaupt gibt, die zuhören. Man versteht an einem Ort wie diesem sehr schnell, warum sich Sagen genau dort festsetzen, wo die Landschaft selbst schon unheimlich genug ist, um sie zu tragen.
Die Zeitenwandlerin

erscheint am 23. September 2026, zur Herbst-Tagundnachtgleiche. Der Men-an-Tol steht am Ende dieser Reise – der letzte Ort, den Victoria in diesem Band erreicht. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, außer: Wer den Stein danach besucht, wird ihn nicht mehr nur als altes Gemäuer im Moor betrachten. Und wer selbst hinreisen möchte – der Weg vom kleinen Schotterparkplatz zwischen Morvah und Madron ist gut zu Fuß zu schaffen, auch mit Hund.




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